Allein der Glaube – Angst überwinden

Am 01.10.2017 haben wir anlässlich des 500. Jubiläums der Reformation mit einer vierteiligen Reformationsreihe angefangen. Unsere Gemeindereferentin Mindy Boyd hat uns gut ins erste Thema, „Allein der Glaube“, hineingeführt. Heute geht’s weiter mit der Frage „Was für eine Auswirkung kann oder soll unser Glaube auf unsere Ängste haben?“

Im Buch Expedition Freiheit schreiben die Autoren einige Andachten zum Thema „Glauben als Lebenshaltung“, die auf dem 23. Psalm basieren. Psalm 23, 4: »Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich«.

Geben wir es zu: Wir haben alle Ängste. Das finstere Tal sieht bei jedem anders aus. Wir haben Angst vor Ablehnung, Arbeitslosigkeit und Angst vor der Macht der Vergangenheit. Wir haben Angst vor Einsamkeit, Krankheit, Verlassenwerden, Versagen und vor einer unsicheren Zukunft. Wir haben vielleicht sogar Angst vor Gott und insbesondere vor dem Tod. Heute morgen wurde ich von einer älteren Frau angerufen, die versichern wollte, dass ich mich um ihre Beerdigung kümmern würde, wenn es so weit ist – sie ist 82 und freut sich guter Gesundheit. „Das Sterben gehört zum Leben“, meinte sie.

Im Psalm 23 ist das Schaf, das in ein dunkles Tal gekommen ist, ziemlich wehrlos. Womit kann er sich gegen Gefahren schützen? Er muss sich auf den Hirten verlassen; der Hirte ist seine einzige Hoffnung.

»Aber machen wir uns nichts vor: Selbst wenn der Hirt dabei ist, fühlt sich das nicht toll an … Bei einem vollkommenen Vertrauen würde die Angst auch vollkommen verschwinden. Aber mal ehrlich: Wer hat das schon? In der Realität sind Angst und Glaube in unserem Herzen viel enger miteinander verwoben, als uns lieb ist … Die Angst füttert sich dabei nahezu von allein. Sie nimmt es, wie es kommt: innerlich ausgemalte Szenarien des Schreckens, negative Gedanken, entmutigende Geschichten, angstmachende Bilder aus dem Fernsehen oder Internet. Und natürlich auch die eine oder andere negative Erfahrung, die wir gemacht haben. All das lässt unsere Angst größer und stärker werden.«

»Viel wird davon abhängen, unseren Glauben zu „füttern“, bevor wir ins dunkle Tal geraten. So, dass er schon möglichst stark ist, bevor die Angst kommt. Dann können wir der Angst etwas Substanzielles entgegensetzen. Der Schlüssel zur Überwindung der Angst – „ich fürchte kein Unglück“ – steckt in dem Bewusstsein: „Du bist bei mir“. Je nachhaltiger diese Gewissheit in uns wird, desto mehr weicht die Angst. Allerdings fällt so ein Glaube nicht einfach vom Himmel. Er speist sich aus den Erfahrungen guter Tage – und aus einer intensiven Kommunikation zwischen Gott und und Mensch. Glaube wird gestärkt durch …

  • dankbares Schauen auf Gottes Wirken in der Vergangenheit. „Count your blessings – Zähle wie oft dich Gott gesegnet hat“, sagen die Amerikaner. Gerade in Situationen des Mangels kann es hilfreich sein, sich zu vergegenwärtigen, wie Gott einen bereits früher gesegnet hat.« Vor vier Jahren fing meine Frau Anne an, die Sachen wofür sie dankbar ist, schriftlich aufzulisten. Matt Redmans Lied „10.000 Gründe“ hat sie motiviert, 10.000 aufzuschreiben und im September hat sie ihr Ziel erreicht. Hut ab! Jetzt überlegt sie sich, wieder von vorne herein anzufangen.
  • »den regelmäßigen Umgang mit dem Wort der Heiligen Schrift. Das wäre Martin Luthers „Nr. 1 Tipp“ in dieser Frage. Glauben und Vertrauen basieren auf dem Wort der Verheißung, das Gott uns in der Bibel zuspricht.« Paulus schrieb im Römerbrief 10, 17: »Und doch kommt der Glaube durch das Hören (oder Lesen!) dieser Botschaft, die Botschaft aber kommt von Christus.«
  • ein Umfeld, das unser Vertrauen stützt. Menschen färben aufeinander ab. Wir werden auf Dauer so wie die Menschen, die uns umgeben. Darum brauchen wir, um unseren Glauben zu stärken, Menschen um uns herum, die ebenfalls glauben.« Eigentlich brauchen wir Christen um uns herum, die einen stärkeren Glauben haben als wir selbst. Solche Menschen fördern unseren Glauben. Dies ist besonders wichtig, wenn wir tendieren zu zweifeln oder zynisch zu sein.
  • »die intensive Beschäftigung mit der Person Jesu. Jesus ist die vertrauensweckende Maßnahme schlechthin. Darum sind sein Glaube, seine Liebe und seine Hoffnung ansteckend. Vor allem die Tatsache, dass er unseren Tod geteilt hat, damit wir an seiner Auferstehung teilhaben dürfen.«
  • »persönlichen Zuspruch in Seelsorge und Segen. In Glaubenskrisen kommen wir oft mit pauschalen Ratschlägen nicht weiter. Sehr viel mehr helfen uns da der persönliche Zuspruch durch eine/n Seelsorger/in und speziell auf uns abgestimmte Lösungswege.«

»Glaube ist in der Tat das einzige, was auf Dauer gegen die Angst hilft. Freilich wirkt der Glaube nicht wie eine Medizin, die man kurz schluckt, und die Angst verschwindet. Es ist eher wie bei einem therapeutischen Prozess, der sich über längere Zeit hinzieht, wie er in ganz tiefe Ebenen unserer Persönlichkeit hineinreicht und diese Schicht um Schicht freilegt und nach und nach entängstigt«.

Zitate kommen aus dem Buch Expedition Freiheit, S. 110-112, Klaus Douglass & Fabian Vogt, © 2016 by C & P Verlagsgesellschaft mbH, Glashütten