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Die Kraft der Ermutigung

By | Ermutigung

Was haben Werte mit Verhalten zu tun?

Als meine Frau und ich vor vielen Jahren anfingen Gemeinden zu gründen, wurden wir von einem erfahrenen Leiter ermutigt, unsere Werte aufzuschreiben. Werte? Wie bitte?

Jeder hat Werte, aber nur wenige Menschen sind sich ihrer Werte bewusst. Auch jede Gemeinde hat Werte, aber viele Gemeinden sind ihrer Werte ebenfalls nicht bewusst. Kurz gesagt steuern Werte das Verhalten. Wie aber entdecken wir unsere Werte – entweder als Einzelperson oder Gemeinde? Ganz einfach: das Verhalten anschauen. Womit beschäftigen wir uns? Wofür geben wir unser Geld aus? In welche Projekte investieren wir unsere Zeit? Die Antworten auf diese und ähnliche Fragen zeigen, was unsere Werte in Wirklichkeit sind. Nachdem wir unsere eigentlichen Werte entdeckt haben, können wir uns anschließend überlegen, inwiefern diese Gott ehren und welche Werte überdacht werden sollten.

Gemeinde: Von liebevollen Beziehungen geprägt?

Ein Wert, der unser Verhalten in der Gemeindegründung gesteuert hat, lautet: Nachfolger Jesu Christi gehören zu einer Gemeinschaft der Gläubigen, die von gesunden und liebevollen Beziehungen geprägt werden soll. Die Kultur, in der wir leben, wird von der großen Macht des Individualismus gefangen gehalten. Jesus ruft seine Nachfolger aus dieser Ich-Bezogenheit in eine voneinander abhängige Gemeinschaft, bei der die Bedürfnisse des Nächsten wichtiger sind als unsere eigenen.

Dieser Wert ist biblisch. Tatsächlich basiert er auf mehreren Stellen im Neuen Testament (Matt. 22,39; Joh. 13,34-35; Römer 13,9-10; Phil. 2,3-4; 1. Joh. 3,11-18). Man würde erwarten, dass ein solcher biblischer Wert in christlichen Gemeinden selbstverständlich in die Praxis umgesetzt wird, aber nach vielen Jahren Erfahrung in unterschiedlichen Kulturen weiß ich, dass es leider nicht immer so ist.

„Nicht geschimpft ist genug gelobt“.

Dass „gesunde, liebevolle Beziehungen“ ein großes Thema ist, ist mir schon bewusst. Man muss sich aber keine lange Predigtreihe darüber anhören, bevor man anfängt, das Prinzip umzusetzen. Ich schlage einen einzigen, relativ einfachen Schritt vor: Jeder kann einen anderen ermutigen.

Die Wichtigkeit der Ermutigung wird öfter unterschätzt. Die Deutschen haben sogar ein Sprichwort, das uns animieren soll, mit Ermutigung und Anerkennung sparsam umzugehen: „Nicht geschimpft ist genug gelobt“.

Ich behaupte aber, dass Ermutigung, Lob und Anerkennung Menschen viel mehr motivieren als Kritik und Tadel. Mark Twain hat einmal gesagt: „Aufgrund eines einzigen guten Kompliments kann ich einen ganzen Monat lang leben.“.

Ermutigung: Ein Fallbeispiel

Unser Sohn Andrew hat gerade seinen Uni-Abschluss in Biologie gemacht und wir haben uns sehr darüber gefreut. Aber als wir mit Andrew zwischen der 8. und 10. Klassen in der Pfalz lebten, haben wir uns große Sorgen gemacht. Bei ihm wurde ein Aufmerksamkeitsdefizit diagnostiziert und er musste die 10. Klasse wiederholen. In den Löchern seines IKEA-Schranks hat er das Wort „LOSER“ (Verlierer) mit Schnürsenkeln buchstabiert. Wir haben vieles ausprobiert und waren mit unserem Latein am Ende.

Dann wechselte er die Schule. Hier gab es eine Frau, Debbie (im Bild rechts unten), die sich auf Kinder mit ADS spezialisiert hatte. Sie fing an, besondere Übungen mit Andrew durchzuführen, damit sich seine Konzentrationsfähigkeit erhöht (das Ergebnis eines anfänglichen Mathe-Tests zeigte, dass er bei den untersten 2 % aller Schüler in seinem Alter lag).

Eine weitere Frau half Andrew (im linken Bild unten mit seinen Mitbewohnern) täglich bei seinen Hausaufgaben. Als er nach ein paar Monaten daran zweifelte, ob er es überhaupt schaffen würde, haben diese beiden Frauen die Lehrer über ihre Anstrengungen informiert und allen mitgeteilt: „Wir arbeiten gemeinsam daran, damit Andrew es hinkriegt!“ In dieser Atmosphäre der Ermutigung hat sich unser Sohn allmählich verbessert. Ein Jahr später machte er den gleichen Mathe-Test wieder und dieses Mal lag er bei den oberen 25 % aller Schüler in seinem Alter!

UniAbschlussAmerica Andrew&DebbieDower

Als Andrew am 3. Mai 2015 seinen Uni-Abschluss machte, waren wir nicht nur auf ihn sehr stolz – wir waren auch diesen zwei Frauen besonders dankbar, denn sie hatten ihn so ermutigt, dass er es schaffen konnte. Ich frage mich öfters: „Wo wäre Andrew heute ohne die Ermutigung dieser Frauen?“

– Jeff Ingram

„Lasst uns aufeinander Acht haben, um uns zur Liebe und zu guten Werken anzureizen indem wir unser Zusammenkommen nicht versäumen, wie es bei einigen Sitte ist, sondern einander ermuntern, und das umso mehr, je mehr ihr den Tag herannahen seht!“ (Heb. 10,24-25)