Die unerwartete Auswirkung der Danksagung

By 8. September 2016Dankbarkeit

Ende August 2016, im Rahmen der Aktion „Stadtgespräch Jesus“ der Evangelischen Allianz Dresden, bin ich fast eine Woche mit einem sogenannten Danke-Mobile durch Dresden gefahren. Das Ziel? Mich bei verschiedenen Einrichtungen, Behörden, Dienstleistern, Geschäften und Menschen für ihren Dienst an Menschen mit einer Karte und einem kleinen Geschenk bedanken.

Ich fuhr zur Feuerwehr, Polizei, AWO, zum Ausländerrat und zur -behörde (ich bin selber Ausländer!), Spike e.V. und Roten Kreuz. Ich bedankte mich (im Namen der FeG Dresden-Süd) bei den Müllmännern und Altglasabholern, bei dem Postboten, der Autowäsche, unserer Arztpraxis, einigen Lebensmittelläden und Restaurants, die uns dienen und zu denen wir Kontakt haben.

Wofür habe ich mich bedankt?

  • Für den Beitrag zur menschlichen Sicherheit und zur Sauberkeit in unserer schönen Stadt.
  • Für die Hilfsbereitschaft, Professionalität und Aufmerksamkeit,
  • für den freundlichen und zuverlässigen Service,
  • für die schönen Läden mit einer guten Auswahl an Produkten
  • für den Dienst unter geflüchteten Menschen mitten in einer internationalen Krise
  • und leckeres Essen in einer schönen Atmosphäre, u.a.

Ich hätte weiterfahren und mich bei vielen anderen in der Stadt bedanken können, aber die Zeit reicht dafür einfach nicht aus. Ich habe auch andere Aufgaben zu erledigen.

Die Reaktionen? Überraschend unterschiedlich.

  • Einige sagten mir, sie dürfen nichts annehmen – als ob ich wirklich einen Lebensmittelladen mit einigen Schokoladen bestechen könnte!
  • Einige meinten: „Das müssen Sie nicht machen. Wir tun nur unseren Job und wir machen es gern,“ – auch wenn sie manchmal ihr Leben für andere riskieren! Man kann seine Arbeit so oder so machen, oder?
  • Als einer seinen Blick auf mein „Stadtgespräch.Jesus.DD“ T-Shirt richtete, verengte seine Augen in Verachtung.
  • Mehrere nahm aber die Karte und die Süßigkeiten mit einem breiten Lächeln an und waren von der Geste offensichtlich angerührt.
  • Eine Frau hat mich sogar umarmt!

Was mich aber bei der Aktion völlig verblüfft hatte, war die Auswirkung dieser Danksagung auf mich. Ich wollte anderen meinen Dank zum Ausdruck bringen, um ihnen etwas Gutes zu tun. Aber im Laufe der Aktion merkte immer und immer wieder, wie gut es mir  getan hat, anderen „Danke für Ihren Dienst“ zu sagen. Ich wurde selber mehrmals emotionell berührt. Das hat mich umgehauen. So was hatte ich nicht erwartet.

Vielleicht weil es uns offensichtlich gut tut, „Danke“ zu sagen, nimmt das wissenschaftliche Interesse an Dankbarkeit rasant zu (Recherche von Dr. Dirk Lehr, 2012). Wissenschaftler sind fasziniert davon, wie Dankbarkeit das Risiko psychischer Erkrankungen mildern kann (Kendler et al. 2003).

Im Seminar hat einer meiner Professoren uns ermutigt, mindestens einmal im Monat einen Dankesbrief an ein Geschäft, Dienstleister, usw. zu schreiben, um ihm von einer positiven Erfahrung bei ihm zu erzählen und den infrage kommenden Mitarbeiter vor seinem Vorgesetzten zu loben. Er machte uns Mut, reichlich Komplimente zu machen – an Kritik wird es nie mangeln.

Jakobus schreibt: »Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben herab, von dem Vater der Lichter …« (1,17). Wenn alles Gute schon von Gott kommt, warum sich nicht mal bei dem einen oder anderen dafür bedanken – auch wenn er oder sie vielleicht nicht einmal an den Vater des Lichts glaubt. Vielleicht trägt unsere Haltung der Dankbarkeit zum Perspektivenwechsel bei!